Oktoberlied - Zum 14. September 1853
von Theodor Fontane
Der Herbst ist da und Storm ist da,
Schenkt ein den Wein, den holden,
Wir wollen diesen goldnen Tag
Verschwendrisch noch vergolden.
Und geht es draußen noch so toll
Und hängt die Welt voll Knuten,
Kein Mucker und kein Hassenpflug
Soll unsern Muth entmuthen.
Und wimmert auch einmal das Herz
Und will nicht fort nach Pommern,
Wir wissen doch, es schmilzt der Schnee,
Es geht zu neuen Sommern.
Was sind denn sechsunddreißig Jahr –
Sie sind ein bloßes Weilchen,
Durch vierzig, funfzig, sechzig hin,
Da blühen erst die Veilchen.
Mit siebzig und mit achtzig erst
Erschließen sich die Rosen,
Mit neunzig Jahren sang Hafiz
Von Liebe noch und Kosen.
Bis dahin aber jeden Tag
Sollst du wie heut genießen
Und statt des Tods ein Lorbeerblatt
Dir deine Augen schließen.
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